Rheinland-Pfalz ist ein Flächenland und ein Land der Landkreise. Rund drei Viertel der Menschen leben im ländlichen Raum.
Viele Herausforderungen sind ähnlich wie in den Städten, wirken sich jedoch anders aus. Beispielsweise durch größere Entfernungen, eine andere Infrastruktur und eine starke Bedeutung von Ehrenamt und Nachbarschaft. Themen wie Mobilität, Klima & Umwelt, Demokratie & Ehrenamt, Jugendarbeit, Wirtschaft & Arbeit, Soziales & Wohnen, Gesundheit, Kommunalfinanzen & Handlungsspielräume sind selbstverständlich auch im ländlichen Raum relevant.
Das Ziel muss sein: Grüne Positionen für den ländlichen Raum klar, verständlich und sichtbar machen. Was steht auf unserem Zettel?
Mobilität
muss für alle Menschen verlässlich, regelmäßig, flexibel und bezahlbar sein. Nur so wird echte Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben möglich. Ebenso wie der Zugang zu Arbeit, Bildung, politischer Beteiligung und einer guten Versorgung. Deshalb wollen wir Bus- und Bahnangebote auch in Randzeiten ausbauen und Bahnstrecken im ländlichen Raum reaktivieren und stärken. Ergänzend sollen On-Demand-Verkehre wie Rufbusse helfen, bislang schlecht angebundene Regionen besser zu erschließen. Eine Radwege-Offensive für Alltags- und Schulwege sowie mehr Verkehrssicherheit rund um Schulen und Kitas schaffen zusätzliche sichere Alternativen. Zentral ist außerdem die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel an Mobilitätsstationen, an denen etwa Bus, Bahn, Fahrrad und Sharing-Angebote zusammenkommen. Flankiert wird dies durch den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität und vergünstigte Tickets für Auszubildende und Studierende, damit nachhaltige Mobilität für möglichst viele Menschen erreichbar wird.
Klima & Umwelt
Beim Ausbau der erneuerbaren Energien braucht es mehr Tempo, gleichzeitig müssen Artenvielfalt und eine nachhaltige Landwirtschaft gestärkt werden. Klimaschutz schafft Wertschöpfung, Arbeitsplätze und mehr Unabhängigkeit. Besonders dann, wenn er vor Ort gestaltet wird. Deshalb soll der Ausbau von Photovoltaik auf privaten Neu- und Altbauten sowie auf öffentlichen Gebäuden vorangebracht werden. Ein Bürgerenergiegesetz soll Kommunen und Bürger:innen finanziell an Windkraftanlagen beteiligen und so die regionale Wertschöpfung stärken. Kommunen sollen zudem über Klimaschutzbudgets (KIPKI) mehr Handlungsspielraum erhalten. Gleichzeitig gilt es, regionale Lebensmittel und kurze Wege zu fördern sowie eine nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen. Für den Schutz der Natur sollen Naturschutzstationen ausgebaut, Biotope gepflegt und durch Begrünung und Entsiegelung in den Dörfern neue Lebensräume geschaffen werden. Auch ein nachhaltiger Tourismus mit Naturerlebnis soll gezielt gefördert werden.
Demokratie & Ehrenamt
Demokratie lebt vom Engagement vor Ort. Vereine, Initiativen und Ehrenamt bilden das Rückgrat vieler Dörfer und verdienen Anerkennung und Unterstützung. Ziel ist es, lebendige und lebenswerte Orte zu gestalten, in denen sich Familien und Menschen aller Generationen wohlfühlen. Dazu gehören die Unterstützung von Ehrenamt, Vereinen, Genossenschaften und Dorfgemeinschaften sowie Budgets für Dorfentwicklung und Vereinsarbeit. Gleichzeitig braucht es eine Stärkung demokratischer Bildung, mehr Beteiligungsformate in den Kommunen und einen konsequenten Umgang mit Rechtsextremismus. Auch der Schutz kommunaler Mandatsträger:innen vor Hass und Bedrohung ist ein wichtiger Bestandteil, um demokratisches Engagement vor Ort zu sichern.
Jugendarbeit
braucht verlässliche Strukturen, erreichbare Angebote und ausreichend Fachkräfte. Ziel ist es, jungen Menschen echte Beteiligung und Mitbestimmung zu ermöglichen, Chancengleichheit zu fördern und Demokratie erfahrbar zu machen. Dafür sollen die offene und verbandliche Jugendarbeit gestärkt sowie Jugendtreffs, mobile Angebote und digitale Austauschformate gefördert werden. Wichtig ist zudem eine verlässliche Finanzierung statt kurzfristiger Projektförderung, damit Angebote dauerhaft bestehen können. Junge Menschen sollen stärker an kommunalen Entscheidungen beteiligt werden und Zugang zu konsumfreien Angeboten und offenen Räumen der Vernetzung erhalten. Dazu gehören auch Spielplätze, Freizeit- und Abenteuergelände sowie ein vielfältiges Ferienprogramm.
Wirtschaft & Arbeit
Arbeitsplätze sind ein zentraler Anker für viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens: Sie sichern Wohlstand, ermöglichen Integration und sorgen dafür, dass Menschen in ihrer Region bleiben können. Dafür braucht es eine gute Infrastruktur für die Ansiedlung von kleinen und mittelständischen Unternehmen, Handwerksbetrieben und Start-ups sowie den Erhalt der Berufsschulen und einen Ausbau der Berufsorientierung. Der Mittelstand und das Handwerk sollen als Rückgrat der Wirtschaft, besonders im ländlichen Raum, gestärkt und Betriebe bei Innovation, Digitalisierung und Fachkräftesicherung unterstützt werden. Gleichzeitig gilt es, Berufsorientierung und Praxistage in Schulen auszubauen und Unternehmensnachfolgen aktiv zu unterstützen und zu bewerben. Gute, tarifgebundene Arbeitsplätze und faire Löhne stärken den sozialen Zusammenhalt, während regionale Wertschöpfung durch Kreislaufwirtschaft weiter ausgebaut werden soll.
Soziales & Wohnraum
Ein gutes Leben auf dem Land braucht bezahlbaren Wohnraum, Bildungsgerechtigkeit, eine sichere Daseinsvorsorge und Teilhabe für alle Generationen. Ziel ist mehr soziale Gerechtigkeit und eine stärkere Beteiligung von Kindern, älteren Menschen, Familien, Frauen und kranken Menschen. Dazu gehört bezahlbarer Wohnraum durch Umbau, Aufstockung und die Aktivierung von Leerständen. Gleichzeitig muss die Daseinsvorsorge mit Ärzt:innen, Pflege und Einkaufsmöglichkeiten gesichert werden. Auch Maßnahmen gegen Einsamkeit, insbesondere im Alter, sind wichtig. Kinder sollen stärker in den Mittelpunkt gestellt und Bildungsgerechtigkeit gefördert werden, damit Chancengleichheit unabhängig vom Wohnort entsteht. Entscheidend sind zudem Ansätze, die Generationen zusammenbringen, sowie starke Verwaltungen und gute Netzwerke vor Ort.
Gesundheit
Gesundheitsversorgung muss wohnortnah, erreichbar und verlässlich sein. Krankenhäuser, Ärzt:innen und Pflegestützpunkte sind ein zentraler Teil der Daseinsvorsorge, denn Gesundheit darf kein Luxus sein. Deshalb braucht es eine Sicherung der hausärztlichen Versorgung sowie die Förderung von Gesundheitszentren und kooperativen Praxismodellen. Auch der sinnvolle Einsatz von Telemedizin kann dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen. Gleichzeitig sollen Pflege- und Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum gestärkt und die Geburtshilfe mit hebammengeführten Kreißsälen unterstützt werden. Ergänzend dazu sollen der Ausbau der Schulsozialarbeit und des schulpsychologischen Dienstes die gesundheitliche und soziale Unterstützung von jungen Menschen verbessern.
Kommunalfinanzen & Handlungsspielräume
Kommunen brauchen finanzielle Luft zum Gestalten und dürfen sich nicht nur auf das Verwalten beschränken. Ziel sind lebenswerte Dörfer, eine starke Zivilgesellschaft und großes Engagement für den eigenen Heimatort und die Region. Dafür braucht es eine Stärkung der kommunalen Finanzausstattung, eine Entlastung strukturschwacher Kommunen und eine Reform der Kommunalfinanzen für mehr Planungssicherheit. Gleichzeitig sollen unnötige Bürokratie abgebaut, Digitalisierung vorangebracht und mehr Gestaltungsspielraum vor Ort ermöglicht werden. Dazu gehört auch mehr Vertrauen in kommunale Gremien und Verwaltungen. Familienfreundliche Kommunen mit Beteiligung und transparenten Prozessen sowie kinder- und jugendgerechte Kommunen mit echten Entscheidungsräumen sind wichtige Bausteine für eine lebendige Demokratie vor Ort.